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Chur (frz. Coire, it. Coira, rät. Cuera, lat. Curia Rhaetorum) ist die Hauptstadt des Schweizer Kantons Graubünden sowie Hauptort des bündnerischen Bezirks Plessur. Ihr Gemeindegebiet reicht von 570 m ü.d.M. bis über 1.800 m  ü.d.M.

Geschichte

Vor gut 2000 Jahren nahm mit dem Eroberungsfeldzug der kaiserlichen Stiefsöhne Drusus und Tiberius die römische Vergangenheit der heutigen Stadt Chur ihren Anfang. Die Siedlungsgeschichte Churs ist jedoch weit älter; Spuren reichen in die Zeit um 11 000 v. Chr. zurück. In ur- und frühgeschichtlicher Zeit war das Gebiet links (Welschdörfli) und rechts (Sennhof/Karlihof) der Plessur besiedelt, in spätrömischer Zeit entstand das Kastell auf dem Hof.


*das römische Chur (c) by Peter Haas, Domat Ems

Schon 451 wird mit Asinio zum erstenmal ein Bischof von Chur erwähnt; die Anfänge des Bistums reichen aber vermutlich bis ins 4. Jahrhundert zurück. Gegen Ende des ersten Jahrtausends nahm der Bischof auch in weltlichen Belangen eine immer bedeutendere Stellung ein. Er profitierte dabei von der Gunst der deutschen Kaiser, die ihm wichtige Privilegien wie etwa 952 den Churer Zoll schenkten. Ab 1299 war der Bischof im Besitz der hohen Gerichtsbarkeit über Chur und einige umliegende Dörfer. Als Landesherr hatte er auch das Recht, den Stadtrat und verschiedene Stadtämter zu besetzen. Mit dem Ausgang des Mittelalters begann seine weltliche Macht zu sinken. Die Stadt stand schon seit längerer Zeit auf gespanntem Fuss mit dem "Hof"; die vorwiegend gewerbliche Bürgerschaft versuchte, Stadtrechte und -einkünfte vollständig an sich zu ziehen. Dabei kam es sogar zweimal zur Plünderung des bischöflichen Schlosses. Nach einem verheerenden Brand 1464, der grosse Teile der Stadt zerstört hatte, schickten die Bürger eine Gesandtschaft an den kaiserlichen Hof. Friedrich III. bestätigte nicht nur die wenigen alten Rechte, sondern bewilligte auch die fast vollständige Befreiung von der bischöflichen Herrschaft.

Die damit möglich gewordene neue Stadtverfassung beruht im wesentlichen auf den neugegründeten fünf Zünften (Rebleute, Schuhmacher, Schneider, Schmiede, Pfister). Nur Stadtbürger konnten Zunftmitglieder werden, Nichtbürger sowie Leibeigene, unehelich Geborene und die Frauen waren ausgeschlossen. Eine Zunftordnung regelte bis ins kleinste Detail Organisation und Tätigkeiten. Es existierten Vorschriften über Arbeitszeit, Lehrlings- und Gesellenzahl pro Betrieb, Aufnahme von neuen Meistern und Warenqualität. Aber auch die Landwirtschaft, die in Chur bis weit in die Neuzeit eine wichtige Rolle spielte, wurde von der Zunftordnung erfasst. So hatten beispielsweise die Zünfte die Hirten für das in der Stadt gehaltene Vieh zu stellen. Durch die neue Zunftverfassung ging die politische Macht vom Bischof an die Handwerksverbände über; eine politische Karriere in Chur war nur noch als Zunftmitglied möglich. Deshalb traten auch Adelige und Patrizier den Zünften bei.

Der noch verbliebene Einfluss des Bischofs in der Stadt wurde durch die Reformation weiter geschmälert. Da Chur die neue Lehre übernahm, war nun für eine politische Karriere nicht nur Bürgerrecht und Zunftmitgliedschaft, sondern auch die evangelische Konfession unabdingbare Voraussetzung.

Nicht nur 1464, sondern noch bis ins 19.Jahrhundert wurde Chur immer wieder von Grossbränden heimgesucht, so wurden 1574, 1576 und 1674 zum Beispiel ganze Stadtteile zerstört, 1811 verbrannten die Domherrenhäuser auf dem Hof sowie Turm und Dach der Kathedrale. Während der Bündner Wirren im Zusammenhang mit dem 30-jährigen Krieg mussten die Churer die Einquartierung fremder Truppen - zuerst spanisch - österreichischer, dann französischer - erdulden. Auch hatte die Stadt schwer an den Kriegsschulden zu tragen. Nur gerade gut 160 Jahre nach den Bündner Wirren wiederholte sich für Chur die Besetzung durch fremde Truppen. Während der französischen Revolution und den napoleonischen Feldzügen wurde Graubünden ab 1798/99 zum Kriegsschauplatz und je nach Kriegsglück geriet die Stadt in französische oder österreichische Hand.

Obwohl die Zünfte in Chur den Untergang des ancien régime überstanden hatten und wieder neu auflebten, erwies sich die Zunftordnung zunehmend als Hemmschuh. Eine nur für relativ wenige geltende politische Mitsprache und die fehlende Gewerbefreiheit stiessen immer mehr auf Kritik der benachteiligten Bewohner. Aber erst 1840 erfolgte die Aufhebung der Zünfte und die Einführung einer neuen liberalen Stadtverfassung.

Seit 1803 gehört Graubünden als weiterer Kanton der Eidgenossenschaft an, und Chur gelang es, sich nach anfänglicher Konkurrenz von Ilanz und Davos als Hauptstadt durchzusetzen. Im 20.Jahrhundert, vor allem nach dem zweiten Weltkrieg, wuchs die Stadt unaufhaltsam und beherbergt heute 15 mal mehr Einwohner und Einwohnerinnen als vor 200 Jahren. Das kleine, von Landwirtschaft und Transit geprägte Zunftstädtchen hat sich in eine moderne Verwaltungsstadt gewandelt, in der wegen ihrer Zentrumsfunktion eine ganze Anzahl nicht nur städtischer, sondern auch kantonaler Verwaltungszweige und kultureller Institutionen ihren Sitz gefunden haben.

Literatur: Churer Stadtgeschichte, 2 Bde., Chur 1993 (weitere Literatur s. dort).
Diese Informationen wurden vom Stadtarchiv zusammengestellt und dürfen unter Angabe der Quelle weiterverwendet werden.

Entwicklung der Einwohnerzahl:

· 1980 - 32.037 (2. Dezember)
· 1990 - 32.868 (4. Dezember)
· 2000 - 32.989 (5. Dezember)
· 2002 - 31.911 (31. Dezember)

Sehenswürdigkeiten

Den Mittelpunkt der Stadt bildet der Postplatz. An der nordöstlich wegführenden Grabenstrasse befindet sich das Bündner Kunstmuseum. Es stellt Gemälde verschiedener Bündner Künstler des 18. bis 20. Jahrhunderts aus. Südwestlich vom Postplatz erstreckt sich der Fontanaplatz mit einem Denkmal für den Schlossvogt Benedikt Fontana.

Die Altstadt liegt zwischen dem Postplatz, dem barocken Bischöflichen Hof aus den Jahren 1732 und 33 und dem Fluss Plessur. Hier findet man viele Zunft- und Bürgerhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Am Ostrand der Altstadt befindet sich der Regierungsplatz mit dem 1752 errichteten Regierungsgebäude (Graues Haus). Es beherbergt neben der Staatskanzlei und dem Sitzungssaal des Kleinen Rates auch die Kantonsbibliothek und das Staatsarchiv. Auf dem Regierungsplatz befindet sich das Vazerol-Denkmal, das an die Vereinigung der Drei Bünde im Jahre 1471 erinnert.

Südlich vom Regierungsplatz befindet sich neben dem Bischöflichen Hof auch die romanisch-gotische Kathedrale aus dem 12. und 13. Jahrhundert. Der dreischiffige Kirchenbau besitzt ein reich ausgestattetes Inneres.


Verkehr


Bahnhof Chur
Bild:wikipedia

Verkehrstechnisch ist Chur ein wichtiger Eisenbahnknoten, da hier die von Norden kommende Normalspurstrecke der Schweizerischen Bundesbahn endet, und man in das Schmalspurnetz der Rhätischen Bahn umsteigen kann. Letztere hat in Chur ihre Zentrale. Seit 2003 besitzt die Stadt eine mit einer riesigen Überdachung versehene, hochmoderne Umsteigestation für Bus und Bahn.

Persönlichkeiten

In Chur wurden Angelika Kauffmann und Hans Ruedi Giger geboren.

Weblinks
 

· http://www.chur.ch/d/
· http://www.churtourismus.ch/



Dieser Artikel ist eine Momentaufnahme vom 1. September 2004, 02:00 Uhr des Artikels Chur aus der freien Enzyklopädie Wikipedia.
Folgende Autoren haben daran mitgearbeitet: Beatus, Head, CdaMVvWgS, Kiker99, LosHawlos,
Steffen M., Filzstift, Fire, Valentin k, Mac, Herrick, Weiacher Geschichte(n), Breeze, sowie 4 anonyme Internetnutzer.
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