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Mit dem Begriff "Schwaben" verbindet man zunächst vor allem die Schwaben in Baden-Württemberg, jenen "Volksstamm", der als eminent fleißig und strebsam gilt und dessen Dialekt zwar nur schwer zu verstehen, aber immer für einen Scherz gut ist. Doch es gibt auch die bayerischen Schwaben, und die leben immerhin im einzig offiziell als "Schwaben" bezeichneten politischen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, nämlich im bayerischen Regierungsbezirk bzw. Bezirk Schwaben.
Der Bezirk Schwaben, dessen Gebiet im folgenden auch als Bayerisch-Schwaben bezeichnet wird, bedeckt eine Fläche von 9992 km², das entspricht in etwa 14 Prozent der Fläche Bayerns. Damit ist Bayerisch-Schwaben flächenmäßig der drittgrößte Bezirk des Freistaats Bayern.
Geografie Der Bezirk Schwaben umfasst die zehn Landkreise Aichach - Friedberg, Augsburg, Dillingen, Donau - Ries, Günzburg, Lindau, Neu - Ulm, Oberallgäu, Ostallgäu und Unterallgäu sowie die vier kreisfreien Städte Augsburg, Kaufbeuren, Kempten und Memmingen. Zur Zeit ist der Bezirk Schwaben in 336 Gemeinden unterteilt.
Im Westen ist der Bezirk Schwaben von Bodensee, Iller und den Ausläufern der Schwäbischen Alb begrenzt, im Norden verläuft die Grenze etwas nördlich der Donau, im Osten in etwa um den Lech herum, im Süden in den Allgäuer Alpen. Die Nachbarn des Bezirks sind im Westen das Bundesland Baden-Württemberg, im Norden der bayerische Bezirk Mittelfranken, im Osten der Bezirk Oberbayern und im Süden Österreich mit Vorarlberg und Tirol.
Bayerisch-Schwaben beherbergt das südlichste Gebiet der Bundesrepublik: Sonthofen ist Deutschlands südlichste Stadt, Markt Oberstdorf die südlichste Gemeinde, Einödsbach die südlichste deutsche Ansiedlung und der 2599 Meter hohe Biberkopf der südlichste Punkt der Bundesrepublik Deutschland.
Die wichtigsten Flüsse in Bayerisch-Schwaben sind die Donau, der Lech, die Wertach und die Iller.
Bayerisch-Schwaben hat viele reizvolle Landschaften zu bieten. Ein beliebtes Ferien- und Erholungsgebiet ist das schwäbische Voralpen- und Alpenland (Allgäu). Bayerisch-Schwaben hat durch Lindau auch Anteil am Bodensee. Sehenswert sind ferner das Donautal und das Nördlinger Ries. Letzteres verdankt seine Entstehung einem Meteoriteneinschlag vor 15 Millionen Jahren, der einen Krater von 25 Kilometer Durchmesser hinterließ. Zahlreiche Schulklassen machen Ausflüge ins Ries, um diese geologische Besonderheit zu sehen.
Mit 1,75 Millionen Einwohnern leben im Bezirk Schwaben etwa 14 Prozent der bayerischen Bevölkerung. Damit ist Bayerisch-Schwaben bevölkerungsmäßig der zweitgrößte bayerische Bezirk. Augsburg ist mit 255 000 Einwohnern die größte Stadt des Bezirks und zugleich die drittgrößte Stadt Bayerns. Sie ist Sitz des Bezirkstags des Bezirks Schwaben (Selbstverwaltungsebene) und Sitz der Regierung von Schwaben (Ebene der staatlichen Verwaltung Bayerns). Die nächstgrößeren Städte sind Kempten (61 000 Einwohner), Neu-Ulm (50 000 Einwohner), Kaufbeuren ( 42 000 Einwohner), Memmingen (41 000 Einwohner), Lindau (24 000 Einwohner) und Sonthofen (21 000 Einwohner).
Wappenbeschreibung "Unter goldenem Schildhaupt, darin ein wachsender, rotbewehrter und golden nimbierter schwarzer Doppeladler, gespalten; vorne gespalten von Rot und Silber, hinten fünfmal schräglinks geteilt von Silber und Rot, überdeckt mit einem goldenen Pfahl."
Erläuterung der Wappensymbole Das Wappen des Bezirks Schwaben enthält drei hervorragende Symbole, die auf die schwäbischen Reichsstädte mit dem Doppeladler des Reichs hinweisen und auf die geistlichen Besitztümer mit dem Symbol des Hochstifts Augsburg und auf die weltlichen Besitztümer mit dem Wappen der Markgrafschaft Burgau, die repräsentativ für die zahlreichen in diesem Gebiet Ende des 18. Jahrhunderts bestehenden Grundherrschaften herausgestellt sind. Der Doppeladler des alten Reichs verkörpert neben den schwäbischen Reichsstädten auch das ehemalige, umfangreiche Reichsgut der Staufer und die reichsritterschaftlichen Territorien. Der von Rot und Silber gespaltene Schild des Hochstifts Augsburg ist stellvertretend für die geistlichen Territorien bis 1803. Das Wappen der Markgrafschaft Burgau (goldener Pfahl auf fünfmaliger Schräglinksstellung von Silber und Rot) vertritt insbesondere Mittelschwaben und die weithin verstreuten fuggerischen Gebiete, den Besitz der Linien des Hauses Oettingen und Nördlingen und schließlich die alten wittelsbachischen Gebiete.
Kultur und Bildung Augsburg ist nicht nur das wirtschaftliche, sondern auch das kulturelle Zentrum des Bezirks. Die Augsburger Stadtgeschichte beginnt 15 v. Chr., als auf dem Gebiet des heutigen Augsburg ein römisches Militärlager gegründet wurde. 1 n. Chr. folgte die Zivilsiedlung Augusta Vindelicum. Dieser Ort wurde Hauptstadt der römischen Provinz Rätien, die von Graubünden bis Passau reichte. Die Spuren der Römerzeit im heutigen Bayerisch-Schwaben sind im Römischen Museum in Augsburg und im Archäologiepark in Kempten zu sehen. Alemannen-Einfälle um 300 n. Chr. führten zur Zerstörung der römischen Siedlung und zu einer Krisenzeit. Eine christliche Siedlung bildete sich um das Grab der 304 in Augsburg getöteten Märtyrerin Afra. Ab 738 ist Augsburg nachweislich Bischofssitz. 1156 erhält es von Friedrich I. Barbarossa die Stadtrechte. Aus der Zeit des enormen wirtschaftlichen Aufschwungs im 15., 16. und frühen 17. Jahrhundert, ausgelöst vor allem durch die Handelsfamilien der Fugger und Welser, sind noch einige prachtvolle Bauten erhalten: Allen voran ist hier das Rathaus mit dem berühmten "Goldenen Saal" zu nennen, das 1615 bis 1620 von Elias Holl gebaut wurde und als das bedeutendste deutsche Renaissancebauwerk gilt. Neben dem Rathaus ragt der ebenfalls von Elias Holl 1614-16 ausgebaute Perlachturm 70 Meter in die Höhe. Außerdem zeugen zahlreiche Bürgerhäuser vom einstigen Reichtum der Stadt, auch wenn viele Gebäude aus dieser Zeit bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Bedeutende Kirchen sind der Dom St. Maria und die ehemalige Bendediktinerstiftskirche St. Ulrich und Afra. Ein weiteres interessantes Bauwerk ist die Schüle'sche Kattunfabrik, die 1770-72 erbaut wurde. Der Industriebau ist in Deutschland ein einzigartiges wirtschafts- und kulturgeschichtliches Denkmal.
Neben architektonischen Zeugnissen vergangener Zeitalter hat Augsburg auch jede Menge "lebendige" Kultur zu bieten: Dafür sorgen das Stadttheater, die große Freilichtbühne am Roten Tor, mehrere Kinos (drei große Multiplex-Kinozentren sind in Planung) und nicht zuletzt das bekannte Marionettentheater "Augsburger Puppenkiste". Das Kurtheater im heutigen Augsburger Stadtteil Göggingen wurde vorbildlich restauriert und wird seit kurzem bespielt. Ferner gibt es in Augsburg eine reiche Museenlandschaft: das Römische Museum, die Maximilian-Galerie, die Deutsche Barockgalerie, Staatsgalerie, Graphische Sammlung, Jüdisches Kulturmuseum, Naturwissenschaftliches Museum und das M.A.N.- Werksmuseum. Die Mozart-Gedenkstätte ist im Geburtshaus von Leopold Mozart, dem Vater von Wolfgang Amadeus, untergebracht. Die Brecht- Gedenkstätte erinnert in seinem Geburtshaus an den berühmtesten Dichter der Stadt. Bertolt Brecht (1898-1956) lebte von 1898 bis 1917 in Augsburg. Auch Caspar Neher (1897-1962), der als Bühnenbildner zahlreiche Uraufführungen der Werke Brechts ausstattete, stammt von dort.
Aber nicht nur Augsburg, ganz Bayerisch Schwaben hat bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht: Der mittelalterliche Kirchenlehrer und Philosoph Albertus Magnus (um 1193-1280) stammt aus Lauingen an der Donau; die Schriftstellerin Sophie La Roche (1730-1807) wurde in Kaufbeuren geboren; ebenfalls aus dieser Stadt kommt der erfolgreiche Heimatschriftsteller Ludwig Ganghofer (1855-1920), den man aber meist mehr mit Oberbayern in Verbindung bringt; gleichfalls in Kaufbeuren wurde 1929 der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger geboren; Martin Walser hingegen stammt aus der bayerischen Bodenseegemeinde Wasserburg; der Filmemacher Rainer Werner Fassbinder (1946-1982) kommt aus Bad Wörishofen, der Komponist Werner Egk (1901-1983) aus Auchseßheim (Donauwörth). Auch das rege Kulturleben in Bayerisch-Schwaben ist nicht nur auf Augsburg beschränkt:
Das Landestheater Schwaben, das aus dem Stadttheater Memmingen hervorging, gibt zum Beispiel Aufführungen in ganz Bayerisch-Schwaben. Mit dem Markt Waal besitzt Bayerisch-Schwaben den ältesten Passionsspielort Bayerns (seit 1626). Auch finden sich überall im Bezirk interessante Museen: Etwa das Fuggermuseum in Schloß Babenhausen, ein Karthäuser-Museum im Kloster Buxheim, die Naturwissenschaftliche (Reiser'sche) Sammlung in Kempten, das Rieskratermuseum in Nördlingen, das Bayerische Schulmuseum in Ichenhausen, das Textilmuseum in Mindelheim, ein Friedensmuseum in Lindau - Bad Schachen, ein Kneipp-Museum in Bad Wörishofen und das Karl-August-Forster-Bienenmuseum in Illertissen.
Bayerisch-Schwaben ist auch ein Land der Klöster, Schlösser und Burgen. Genannt werden sollen hier nur die Benediktinerabtei Ottobeuren, die wohl prachtvollste Klosteranlage Süddeutschlands, und das meistbesichtigte Schloss Bayerns, das Märchenschloss Neuschwanstein, das sich König Ludwig II. neben Schloss Hohenschwangau bei Füssen erbauen ließ. Ein Weg, sich mit den Schönheiten Bayerisch-Schwabens bekannt zu machen, ist die Romantische Straße, die bei Füssen beginnt und über Schongau, Landsberg am Lech, Augsburg und Donauwörth nach Nördlingen verläuft (und von da übrigens weiter bis nach Würzburg führt).
Für die Ausbildung des Nachwuchses in Bayerisch-Schwaben sorgen 411 Volksschulen, 49 Volksschulen für Behinderte, 55 Realschulen, 1 Abendrealschule, 54 Gymnasien, 1 Kolleg, 2 freie Waldorfschulen, 1 griechisches Lyzeum, 26 Berufsschulen, 7 Berufsschulen für Behinderte, 87 Berufsfachschulen, 37 Fachschulen, 11 Fachoberschulen, 7 Berufsoberschulen und 11 Fachakademien (Stand: Schuljahr 2000/2001). Die erste Universität auf dem Gebiet Bayerisch-Schwabens wurde 1549 in Dillingen gegründet. Sie wurde ab 1564 von Jesuiten betrieben und 1804 geschlossen. In dem prachtvollen Universitätsbau ist heute die Akademie für Lehrerfortbildung untergebracht. Eine Universität besitzt Bayerisch- Schwaben erst wieder seit 1970, als die Universität Augsburg gegründet wurde. Fachhochschulen bestehen in Augsburg (seit 1971), Kempten (seit 1977) und seit 1998 eine weitere in Neu-Ulm.
Über das politische, wirtschaftliche, kulturelle und sonstige Geschehen in der Region und darüber hinaus unterrichtet die angesehene "Augsburger Allgemeine" als Bayerns auflagenstärkste Regionalzeitung.
Der Bezirk und seine Tätigkeiten Dem Bezirkstag des Bezirks Schwaben gehören 29 Bezirksräte an. Der Bezirkstag wird gleichzeitig mit dem Bayerischen Landtag alle vier Jahre gewählt. Die CSU stellt in der Wahlperiode 1998/2003 17, die SPD 8, die Freien Wähler zwei Bezirksräte, die Grünen und die Republikaner sind mit je einem Bezirksrat vertreten. Die Bezirksräte versehen ihre Aufgabe ehrenamtlich. Der Bezirkstagspräsident, ebenfalls ehrenamtlich tätig, wird für vier Jahre vom Bezirkstag gewählt. Der Bezirkstagspräsident von Schwaben ist in der Wahlperiode 1998/2003 Dr. Georg Simnacher (CSU). Der Bezirk Schwaben beschäftigt rund 3000 Bezirksbedienstete. Das Gesamthaushalt des Bezirks beträgt 2001 insgesamt rund 1,07 Mrd. DM. Der größte Teil der Bezirkseinnahmen stammt aus der Bezirksumlage, die die zehn schwäbischen Landkreise und die vier kreisfreien Städte entrichten. Weitere Einnahmen ergeben sich in Form von staatlichen Zuwendungen, vor allem als Investitionszuschüsse, im Krankenhausbereich und durch Ausgleichsmittel auf dem Sozialhilfesektor. Ferner nimmt der Bezirk auch Gebühren für die Benutzung seiner Einrichtungen ein.
Der Bezirk Schwaben wird in folgenden Bereichen tätig:
Soziale Sicherung Der größte Teil der Bezirksausgaben fließt 2001 mit rund 655 Mio. DM in den Bereich Soziales: Dieses Geld wurde zur Hilfe für die Pflege von Senioren und Behinderten in Einrichtungen, als Eingliederungshilfe für Behinderte, für die Kriegsopferfürsorge, für Altenheime, für die ambulante psychiatrische Versorgung und für die Jugendhilfe bereitgestellt.
Der Bezirk unterstützt z.B. die 24 Behindertenwerkstätten in Schwaben, die rund 4000 Jugendliche betreuen. Ferner fördert der Bezirk große - teilweise seit über 100 Jahren - in Schwaben wirkende private Einrichtungen der freien Wohlfahrtspflege wie das Dominikus-Ringeisen-Werk in Ursberg, die Stiftung Pflegeanstalt Schweinspoint in Marxheim, die Regens-Wagner-Stiftung in Dillingen und das Schutzengelheim in Lautrach. Die Bezirk-Schwaben-Stiftung hat in Günzburg eine Wohnanlage mit Modellcharakter für ältere Menschen, die sich dort gegenseitig helfen können, eröffnet.
Gesundheitswesen Der Bezirk Schwaben unterhält im Gesundheitssektor vor allem Einrichtungen zur Behandlung psychisch Kranker: "Günzburger Kliniken": Im Bezirkskrankenhaus Günzburg stehen für die Behandlung in den Bereichen allgemeine und spezielle klinische Psychiatrie, psychiatrische Alterserkrankungen, chronisch Kranke und geistig Schwerstbehinderte etwa 740 Behandlungsplätze zur Verfügung. Außerdem werden Patienten auch ambulant betreut. Die Abteilungen Neurologie und Neurochirurgie sind mit hochmodernen Dignostikinstrumenten ausgestatten. Die Einrichtung einer eigenständigen neurologischen Intensivstation hat die Überlebenschance vor allem für Schlaganfallpatienten deutlich verbessert. Außerdem steht in Günzburg ein Rehabilitationszentrum für Schädel-Hirn-Verletzte und Schlaganfallpatienten zur Verfügung. Das Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren ist für die Betreuung psychisch Kranker aus dem südlichen Schwaben zuständig. In vollstationärer, teilstationärer und ambulanter Behandlung wird versucht, eine möglichst offene Psychiatrie zu verwirklichen. Es stehen knapp 620 Betten zur Verfügung. Das Bezirkskrankenhaus Kempten wurde 1986 eröffnet. Mit fünf Stationen, einer Tagesklinik und einer Ambulanz versorgt es psychisch Kranke im oberen und westlichen Teil des Allgäus. Ferner unterhält der Bezirk Schwaben in gemeinsamer Trägerschaft mit der Arbeiterwohlfahrt Schwaben in Kempten eine Einrichtung für die Rehablilitation psychisch Kranker mit 77 Plätzen. Das Bezirkskrankenhaus Augsburg verfügt nach Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts über 180 Betten für die stationäre Behandlung psychisch Kranker im Großraum Augsburg. Sie stellt auch Rehabilitationsmöglichkeiten für alle Bereiche der Psychiatrie in Zusammenarbeit mit dem Zentralklinikum Augsburg zur Verfügung. Das Therapiezentrum Burgau zur Behandlung Schädel-Hirn-Verletzer wurde ebenfalls auf Initiative des Bezirks Schwaben errichtet. Das psychiatrische Pflegeheim Zusmarshausen hat 34 Plätze. Eine Vergrößerung und Neukonzeption ist geplant. Ferner ist der Bezirk Träger der Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Memmingen.
Kultur- und Heimatpflege Gemeinsam mit den jeweiligen Landkreisen und örtlichen Trägervereinen unterhält der Bezirk Schwaben folgende Museen, die ein anschauliches Bild der ländlichen Kultur und Lebensweise in Schwaben vermitteln sollen:
Das Schwäbische Bauernhofmuseum Illerbeuren wurde 1955 gegründet und ist damit das älteste Freilandmuseum Bayerns. Ausgestellt sind historische Bauernhäuser mit ihren charakteristischen Architekturformen des Allgäus, die mit Original-Möbeln, -Hausrat und -Gerätschaften ausgestattet sind. Hier befindet sich auch eine Zweigstelle des Ulmer Brotmuseums und das Schwäbische Schützenmuseum. Im Rieser Bauernmuseum in Maihingen wird die Kulturlandschaft des Rieses dargestellt. Das Museum ist in einem ehemaligen Brauereigebäude eines 1803 säkularisierten Franziskanerklosters untergebracht, dessen Klosterkirche ebenfalls sehenswert ist. Es werden Gegenstände aus den Bereichen Wohnen, Landhandwerk, bäuerliche Arbeit, Schule und Tracht gezeigt. Im ehemaligen Wirtschaftsgebäude einer Zisterzienserinnenabtei ist das Schwäbische Volkskundemuseum Oberschönenfeld untergebracht. Thema des Museums ist der Wandel der bäuerlichen Lebens- und Arbeitswelt von der vorindustriellen Zeit bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. In der Außenstelle Hammerschmiede Naichen (Landkreis Günzburg) wird die Geschichte und Arbeit dieses ländlichen Handwerks vorgeführt.
Der Bezirk Schwaben berät überdies zahlreiche Stadt- und Heimatmuseen in Bayerisch-Schwaben und fördert sie mit Zuschüssen. Um seine Tätigkeiten im Bereich Museen noch besser koordinieren zu können, hat der Bezirk Schwaben 1987 eine eigene Museumsdirektion eingerichtet. Für Museen waren im Bezirkshaushalt 2001 rund 5,7 Mio. DM vorgesehen.
Neben dem musealen Bereich engagiert sich der Bezirk Schwaben im kulturellen und heimatpflegerischen Bereich auch in der Denkmalpflege: Im ehemaligen Kloster Thierhaupten unterhält der Bezirk zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ein Bauarchiv zur Erforschung und Dokumentation historischer Bautechniken. Das Zentrum dient vorwiegend der Weiterbildung von Restauratoren. Auch gibt es hier eine Schule für Dorferneuerung und Landentwicklung (SDL). Der Bezirk unterstützt Bemühungen in der Denkmalpflege, fördert intensive Beratung und setzt Schwerpunkte der Restaurierung, etwa im Bereich von Klöstern, Kirchen, Synagogen (Synagoge in Augsburg, Synagoge Ichenhausen) und Schlössern. Eines der ehrgeizigsten Sanierungsprojekte ist im Moment das Gögginger Kurhaustheater-Ensemble, das der Bezirk Schwaben im Zweckverband mit der Stadt Augsburg restaurieren lässt. Das Theater ist bereits fertiggestellt und wird bespielt, an den Funktionsgebäuden und dem Park wird noch gearbeitet.
Ferner bestellt der Bezirk einen Bezirksheimatpfleger, der mit den Kreisheimatpflegern, Kirchen, Schulen etc., zusammenarbeitet. Über nebenamtliche Berater, eine Beratungsstelle für Volksmusik mit Archiv und eine Trachtenberatungsstelle (beide im Hürbener Wasserschloss untergebracht) fördert der Bezirk die Pflege von Volksmusik und Brauchtum.
Der Bezirk vergibt Kunstpreise, er richtet den Schwäbischen Kunstsommer in Irsee, die Schwäbischen Kulturtage und den Schwäbischen Heimattag aus und ist Mitglied im Zweckverband Landestheater Schwaben, der Laienspielseminare und schwäbische Theatertage durchführt bzw. fördert.
Der Bezirk gibt die einzige gesamtschwäbische Zeitschrift "ebbes" heraus. Für die kulturellen Aufgaben sah der Bezirkshaushalt 2001 Aufwendungen von über 6,85 Mio. DM vor.
Bildung Folgende Fachschulen sind Bezirkseinrichtungen:
Berufsfachschule für Krankenpflege am Bezirkskrankenhaus Günzburg Berufsfachschule für Krankenpflege am Bezirkskrankenhaus Kaufbeuren Berufsfachschule für Arbeits- und Beschäftigungstherapeuten Schule für Krankenpflegehilfe Berufsfachschule für Physiotherapie in Günzburg Berufsfachschule für Logopädie in Augsburg Berufsfachschule für Musik in Krumbach Schule für Schwerhörige in Augsburg
Ferner ist der Bezirk beteiligt bei der Unterrichtung von Gehör-, Seh- und Sprachgeschädigten sowie für behinderte Kinder und Jugendliche.
In Babenhausen hat der Bezirk Schwaben zusammen mit dem Bezirksjugendring eine Jugendbildungs- und Begegnungsstätte errichtet, die kreative Jugendarbeit fördern möchte.
Die wohl bekannteste Bildungseinrichtung des Bezirks ist aber das Schwäbische Bildungszentrum Irsee, das seit 1981 in einem ehemaligen Benediktinerkloster untergebracht ist. Irsee ist heute ein weithin bekanntes und beliebtes Tagungs- und Seminarzentrum sowie würdiger Rahmen für Konzerte und Feste. Das Bildungszentrum ist Sitz der Schwabenakademie, die zusammen mit der schwäbischen Erwachsenenbildung hier ein umfassendes Kunst- und Kulturprogramm anbietet. Außerdem dient das Bildungszentrum Irsee dem Bildungswerk des Verbandes der bayerischen Bezirke als Sitz: Es werden jährlich etwa 3000 Mitarbeiter der bayerischen Bezirke berufsbegleitend fort- und weitergebildet.
Wasserwirtschaft Zu den Aufgaben der Bezirke zählt es, die Gewässer 2. Ordnung, also kleinere Flüsse und größere Bäche, zu unterhalten und auszubauen. In die entsprechende Zuständigkeit des Bezirks Schwabens fallen Flüsse mit einer Länge von insgesamt etwa 700 Kilometern. Der Bezirk versucht mit einem Aufwand von ca. 2,5 Mio. DM jährlich über Gewässerpflegepläne sowie ökologische Ausbauplanung, die Ökosysteme dieser Gewässer und der angrenzenden Uferstreifen zu bewahren und gleichzeitig die Interessen der Fischerei zu berücksichtigen.
Umweltschutz Der Bezirk setzt sich auch für den Umweltschutz ein. Als erster der bayerischen Bezirke hat er eine Naturpark-Verordnung erlassen (Augsburg- Westliche Wälder). Der Bezirk Schwaben veranlasste die Gründung des Landschaftsverbandes Schwäbisches Donaumoos, um dieses bedeutsame Feuchtgebiet entlang der Donau zu sanieren und zu erhalten. Er ist Mitglied im Verein "Naturpark Augsburg-Westliche Wälder" und im "Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete". Ferner unterstützt der Bezirk die Bergwacht Allgäu. Der Bezirk hat einen Agenda-21- Prozess auf Bezirksebene eingeleitet und möchte so zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.
Wirtschaftsförderung Der Bezirk Schwaben betreibt in Salgen im Unterallgäu den "Schwäbischen Fischereihof". Der Schulungs- und Versuchsbetrieb mit Zuchtteichen ist eine Anlauf- und Beratungsstelle für die Fisch- und Teichwirte. Bereits seit 1910 stellt der Bezirk einen Fachberater für das Fischereiwesen. Auch fördert der Bezirk die Beratertätigkeit für Obst- und Gartenbau, Weinbau (am Bodensee) sowie die Landschaftspflege. Auch die Bienenzucht wird über die Förderung der schwäbischen Imkerschule Kaufbeuren unterstützt.
Der Bezirk Schwaben bemüht sich, durch den Tourismusverband Allgäu Bayerisch-Schwaben, zu dessen Organisation er wesentlich mit beiträgt, den Fremdenverkehr in der Region zu fördern.
Die Initiative Schwaben-Marketing (ISM) widmet sich der Imagepflege und Strukturanalysen Schwabens.
Ferner ist der Bezirk am Westbayerischen Technologie-Transfer-Institut beteiligt, das den Einsatz und die Produktion neuer Technologien in mittelständischen Betrieben erleichtern soll. Überörtliche Messen und Ausstellungen werden zusammen mit der Stadt Augsburg oder anderen Trägern vom Bezirk ermöglicht.
Der Bezirk Schwaben ist an den Lechwerken beteiligt, die die Stromversorgung in Bayerisch-Schwaben sichern.
Als Gesellschafter von Wohnungsunternehmen sorgt der Bezirk für den Bau günstiger Wohnungen für seine Beschäftigten, aber auch für andere Wohnungssuchende.
Kontakte zu anderen europäischen Regionen Um das Stichwort vom Europa der Regionen mit Inhalt zu füllen, pflegt der Bezirk Schwaben seit fast 15 Jahren freundschaftliche Beziehungen zum Departement Mayenne im Nordwesten Frankreichs. Es wird dabei der Austausch von Lehrlingen und Schülern, zwischen verschiedenen Berufsverbänden und im Bereich Kultur und Wirtschaft gefördert. Für ihre Bemühungen um die Integration Europas wurden die beiden europäischen Regionen Bezirk Schwaben und Departement Mayennne 1989 mit der Ehrenfahne des Europarats ausgezeichnet.
Mit dem Land Oberösterreich besteht ebenfalls eine Kulturpartnerschaft. Mit der Bukowina, deren beide Teile heute in der Ukraine bzw. in Rumänien liegen, schloss der Bezirk Schwaben 1997 Partnerschaftsverträge ab.
Kontakt Bezirk Schwaben Hafnerberg 10 86152 Augsburg
Tel.: (08 21) 31 01-0 Fax: (08 21) 31 01-200 E-Mail: info@bezirk-schwaben.de Internet: Bezirk Schwaben
Quellennachweis
Die Bayerischen Bezirke. Bezirksorgane, Verwaltung, Einrichtungen, Verband der Bayerischen Bezirke (hg. vom Verband der bayerischen Bezirke). München 1997. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch für Bayern 2000. München 2000. Bezirk Schwaben (Hrsg. v. Bezirk Schwaben). Augsburg o.J. Bezirk Schwaben 1996 - Einrichtungen, Beteiligungen, Haushalt (hrsg. Pressestelle des Bezirks Schwaben). Augsburg. Dieter Draf u.a. (Hrsg.): Schwaben - Bayern - Europa. Zukunftsperspektiven der bayerischen Bezirke. Festschrift für Dr. Georg Simnacher. St. Ottilien 1992. Hans Frei/Sigfrid Hofmann/Peter Klimm/Helga M. Linsbauer/Franz Reißenauer/Eva Christina Vollmer: Schwaben. Kunstfahrten zwischen Lech und Bodensee. München 1987. Peter Klimm (Hg.): Bayerisch Schwaben. Konstanz 1990. Leben und Arbeiten in Bayerisch-Schwaben (hrsg. von der Industrie- und Handelskammer für Augsburg und Schwaben und dem Bezirk Schwaben). o.J. Rainer A. Roth: Freistaat Bayern - Politische Landeskunde. München 2000 (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit). Schwaben - Ein Regierungsbezirk stellt sich vor. Möglingen 1987.
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