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Niederbayern bedeckt eine Fläche von 10 329,63 km², das entspricht in etwa 15 Prozent der Gebietsfläche des Freistaats. Damit ist Niederbayern der zweitgrößte bayerische Bezirk. Niederbayern ist in neun Landkreise sowie drei kreisfreie Städte (Landshut, Passau und Straubing) eingeteilt. Zur Zeit umfasst der Bezirk Niederbayern 258 kreisangehörige Gemeinden, unter denen die Große Kreisstadt Deggendorf eine Sonderstellung einnimmt, weil sie in bestimmten staatlich festgelegten Bereichen Aufgaben der Kreisverwaltungsbehörde wahrnimmt.

Niederbayern ist Grenzland, ist schon von alters her Grenz- und Durchgangsland zu Osteuropa gewesen und hat als solches an Bedeutung gewonnen, seit der Eiserne Vorhang verschwunden und die einstige politische und wirtschaftliche Abkapselung des damaligen Ostblocks einem zunehmenden Miteinander gewichen ist. Niederbayern grenzt als südöstlicher Eckpfeiler der Bundesrepublik mit einer 104 Kilometer langen Staatsgrenze an die Tschechische Republik und mit einer 149 Kilometer langen Grenze an Österreich. Im Norden schließt der Bezirk an die Oberpfalz, im Süden und Westen an Oberbayern an.

Niederbayern ist altes Bauernland. Sanft geschwungene Hügel und breit ausladende Tallandschaften, ein Teppich von Wiesen, Äckern und Wäldern geben ihm im Süden das Gepräge. Im Norden erhebt sich als landschaftlicher Höhepunkt, auch im wahrsten Sinne des Wortes, der "Wald", wie der Bayerische Wald im Volksmund kurz genannt wird. Als eines der geologisch ältesten Gebirge Europas ist er nicht nur als solches, sondern auch als erster Nationalpark der Bundesrepublik Deutschland eine Attraktion für alle, die der Natur und ihren Schätzen eng verbunden sind. 1456 Meter hoch reckt sich der Große Arber als höchste Erhebung Niederbayerns über das größte zusammenhängende Waldgebiet Mitteleuropas, den Böhmerwald mit eingeschlossen. Mit dem Arber blicken im Nordwesten Osser, Rachel und Lusen auf kleine, düstere Waldseen, Moore und Filze herab, den Südosten beherrscht der Dreisessel. Als geologische Kuriosität steckt im Untergrund der "Pfahl", ein zwischen 40 und 100 Meter breiter Quarzgang, den man rund 150 Kilometer lang fast schnurgerade verfolgen kann und der unter anderem bei Viechtach im Naturschutzgebiet "Großer und Kleiner Pfahl" zu Tage tritt.

Zwischen diesen beiden großen niederbayerischen Landschaften dehnt sich als dritte zwischen Isar und Inn das weite Donautal. Die Donau, die in der Weltenburger Enge bei Kelheim das bedeutendste Durchbruchtal Deutschlands in den Fels genagt hat, ist die Hauptschlagader des Bezirks. Ihr fließen alle Gewässer zu: Regen und Ilz von Norden her, Inn, Vils, Isar und Laaber aus dem Süden. Um die Altmühl, die sich bei Kelheim mit der Donau vereinigt, drapiert sich mit ihren Tropfsteinhöhlen und beeindruckenden Juraformationen eine weitere sehr reizvolle Gegend.

Niederbayern weiß die Kostbarkeiten zu schätzen, die ihm die Natur anvertraut hat und lässt ihnen den gebührenden Schutz angedeihen. Insgesamt weist der Bezirk rund 60 000 Hektar Landschaftsschutzgebiete und rund 6600 Hektar Naturschutzgebiete aus. Der Nationalpark Bayerischer Wald wurde als erstes deutsches Schutzgebiet dieser Kategorie im Jahr 1970 gegründet. 1997 wurde der Nationalpark erweitert, so dass er nunmehr eine Fläche von 24 250 Hektar bedeckt.

Die Niederbayern wissen auch zu nutzen, was ihnen die Natur an wertvoller Lebensgrundlage gegeben hat. Es genügt das Wort Hopfen, um an die Hallertau (auch Holledau genannt) zu denken, an jenes flachwellige Hügelland, das mit seinen mittelschweren sandig - lehmigen Böden günstige Voraussetzungen für den Ackerbau bietet. Gemeinsam mit einem milden Klima eignet es sich vorzüglich für den Anbau des Hopfens, der im Westen des Bezirks zum beherrschenden Element der Landschaft und zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor geworden ist. Zusammen mit dem angrenzenden oberbayerischen Anteil ist die Hallertau das größte Hopfenanbaugebiet der Welt. Zentrum des niederbayerischen Hopfenbaues ist die Stadt Mainburg.

Die Kornkammer Bayerns nennt man die weite Ebene im Tal der Donau, den Gäuboden, den die Ablagerung der Donau und ihrer Nebenflüsse zu einem reichen Bauernland werden ließen. Das Herz dieses gesegneten Landstriches, dessen fruchtbarer Boden schon Illyrer und Kelten zur Ansiedlung veranlasst hatte, ist die kreisfreie Stadt Straubing.

Mit rund 1,17 Millionen Einwohnern leben im Bezirk Niederbayern ungefähr 9,5 Prozent der bayerischen Bevölkerung. Landshut ist mit knapp 60 000 Einwohnern die größte Stadt des Bezirks. Die nächstgrößeren Städte sind Passau (50 000) und Straubing (44 000).
 

Wirtschaft, Tourismus und Verkehr

Die meisten Arbeitnehmer sind in Niederbayern im produzierenden Gewerbe beschäftigt (April 1999: rund 225 000). An erster Stelle ist hier der Kraftwagensektor mit einem Anteil von rund einem Viertel der Beschäftigten im industriellen Sektor zu nennen, gefolgt vom Maschinenbau, dem Ernährungsgewerbe, den Metallerzeugnissen, der Elektrizitätstechnik und den Gummi- und Kunststoffwaren. Im Bereich Dienstleistungen waren in Niederbayern im April 1999 rund 182 000 Berufstätige beschäftigt, im Sektor Handel, Gastgewerbe und Verkehr rund 120 000.

In der Gesamtstruktur des industriellen Sektors dominieren viele kleine und mittlere Betriebe, unter denen einige Großunternehmen wie die Bayerischen Motorenwerke (BMW) in Dingolfing und die Zahnradfabrik in Passau hervorstechen. Die Industrieschwerpunkte konzentrieren sich auf die Räume Neustadt a.d. Donau, Straubing, Deggendorf / Plattling, Landshut, Dingolfing und Passau. Als Besonderheit im niederbayerischen Wirtschaftsgefüge sei das Graphitwerk Kropfmühl in Hauzenberg (Lkr. Passau) genannt, das einzige Graphitwerk in der Europäischen Union und das mit dem weltweit reinsten Graphitvorkommen. Der Bayerische Wald ist ein Zentrum des Glasmacherhandwerks und der Glasindustrie (z.B. Schott-Werke in Zwiesel).

Die zunehmende Prosperität Niederbayerns kommt im Bevölkerungswachstum seit 1970 zum Ausdruck: Während die Zahl der Einwohner bayernweit um 14 Prozent zugenommen hat, betrug der Anstieg in Niederbayern rund 17 Prozent bzw. auf der Achse Kelheim, Landshut, Dingolfing und Passau sogar zwischen 20 und 40 Prozent.

Wichtige Handelsplätze in Niederbayern sind Deggendorf, das Tor zum Bayerischen Wald, mit seinem Freihafen und einer Schiffswerft, sowie Passau, dessen Donauhafen ein namhafter Umschlagplatz für den Handel mit Österreich und den südosteuropäischen Staaten und Ausgangspunkt der Personenschiffahrt nach Wien und zum Schwarzen Meer ist.

In der Energieerzeugung ragen das Kernkraftwerk in Ohu bei Landshut sowie das Jochensteinwerk bei Obernzell hervor, das als eines der größten Flußkraftwerke Europas die Kraft des Donauwassers zur Stromerzeugung nutzt.

Neben Industrie, Handel und Dienstleistungsgewerbe spielt in Niederbayern die Land- und Forstwirtschaft eine wichtige Rolle. Der Bezirk Niederbayern ist in Bayern nach wie vor eine herausragende Agrarregion: Während in Bayern 3,9 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt sind, sind es in Niederbayern 6,7 Prozent. Diese dominierende Position ist möglich, weil sich Niederbayern zu einem bedeutenden Exporteur von Agrarerzeugnissen entwickelt hat. In Niederbayern verlief der Strukturwandel in der landwirtschaft auch etwas langsamer als auf Landesebene: Die Zahl der Betriebsaufgaben lag in den letzten Jahren etwas unter dem Landesdurchschnitt.

Über die Hälfte des landwirtschaftlichen Produktionswertes entfallen in Niederbayern auf Milch sowie auf Rind- und Schweinefleisch. Schwerpunkte beim Ackerbau sind Getreide, Körnermais, Zuckerrüben, Ölfrüchte und Kartoffeln. Auffallend ist der im Vergleich zu anderen Bezirken relativ hohe Anteil von Zuckerrüben und Kartoffeln. Damit lassen sich bei der Nutzung des Ackerlandes weit überdurchschnittliche Einnahmen erzielen. In Plattling steht eine moderne Zuckerfabrik von Südzucker, die den überwiegenden Teil der niederbayerischen Zuckerrübenernte verarbeitet. Niederbayern ist Bayerns größtes Gemüseanbaugebiet, das größte Anbaugebiet für Einlegegurken in Deutschland, außerdem befinden sich 90 Prozent der deutschen Anbaufläche für Speisezwiebeln hier.

Als Besonderheit innerhalb der niederbayerischen Landwirtschaft ist der Anbau von Hopfen zu erwähnen. Ein Teil des Hopfenanbaugebietes Hallertau gehört zu Niederbayern. Die niederbayerische Hopfenanbaufläche umfasst rund 7 700 Hektar.

Ein wichtiger Erwerbszweig in Niederbayern ist auch der Tourismus. Als attraktive Fremdenverkehrsregion ist Niederbayern der Bezirk mit dem nach Oberbayern höchsten Übernachtungsaufkommen. In Niederbayern zählte man 2000 rund 2,38 Millionen Gästeankünfte und ca. 12,8 Millionen Übernachtungen, das entspricht einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 5,4 Tagen pro Gast. Anziehungspunkte sind neben dem Bayerischen Wald als beliebter Ferienregion zur Entspannung und Erholung vor allem die renommierten niederbayerischen Bäder: Gesundheitsbewussten und erholungssuchenden Zeitgenossen sind die heißen und schwefelhaltigen Quellen aus der Tiefe des niederbayerischen Urgesteins inzwischen zum Begriff, den Niederbayern selbst zu einem auch wirtschaftlich wertvollen Kapital geworden. So können sie heute stolz auf die "Gesunden Fünf" verweisen. Allen voran steht Bad Füssing, das sich einen Spitzenplatz unter den bedeutendsten Badeorten Europas gesichert hat. Mit ihm sorgen Bad Griesbach im Passauer Land, die Donaubäder Bad Abbach und Bad Gögging im Landkreis Kelheim sowie als jüngster Spross der Bäderfamilie Bad Birnbach im Rottal für den guten Ruf der niederbayerischen Bäderlandschaft.

Die Arbeitslosenquote im Bezirk Niederbayern lag 2000 mit 6,5 Prozent etwas über dem bayerischen Durchschnitt von 6,3 Prozent.

Niederbayern ist verkehrstechnisch gut erschlossen. Zwei Autobahnen schließen den Bezirk an das europäische Straßennetz an: Die A3 führt von Regensburg über Deggendorf nach Passau und ins benachbarte Österreich, die A92 verbindet München und Deggendorf. Mit dem Main- Donau- Kanal bzw. der Donau durchquert eine Wasserstraße von internationaler Bedeutung Niederbayern. Eine wichtige Infrastrukturmaßnahme war der Ausbau der niederbayerischen Häfen in Kelheim und Deggendorf und der Neubau des Hafens Straubing- Sand. Um die Beförderung von Massengütern auf der Donau zu erleichtern, soll der Fluss zwischen Straubing und Osterhofen ausgebaut werden – was bei Umweltschützern auf heftigen Protest stößt. Schließlich ist der Bezirk durch den nur rund 40 Kilometer von Landshut entfernten neuen Münchner Großflughafen hervorragend an den internationalen Luftverkehr angebunden.
 


Kultur und Bildung

Niederbayern ist sowohl ein geschichts- als auch ein kulturträchtiges Land, das in seiner abwechslungsreichen Landschaft nicht nur viel "Natur pur" zu bieten hat, sondern auch mit reichen Kulturschätzen aufwarten kann.

Ein Schmuckstück ganz besonderer Art ist Passau. Der mächtige Dom Sankt Stephan überragt die südländisch wirkende Stadt am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz. Seine Baugeschichte lässt sich bis ins achte Jahrhundert zurückverfolgen, nach zahlreichen Umbauten erhielt er sein heutiges Aussehen mit den drei Turmhauben in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Diese größte barocke Kirche nördlich der Alpen mit dem mächtigsten Kirchengeläut Süddeutschlands birgt in ihrem Inneren die größte Kirchenorgel der Welt mit 17 388 Orgelpfeifen und 231 Registern. Gotik, Renaissance und Barock vereint das Oberhaus in Passau, die großartige Burganlage und ehemalige Feste der Passauer Bischöfe, die auf dem steilen Rücken thront und heute ein Museum birgt. Im Weichbild des Domes ziehen sich die monumentalen Bauten der Alten und Neuen Residenz hin. Im Gasthaus "Wilder Mann" gleich beim sehenswerten Rathaus der Stadt, ist das eindrucksvolle Glasmuseum untergebracht. Das Bistum Passau, an dessen Bischofshof das berühmte Nibelungenlied entstand, war einst der kulturelle Mittelpunkt eines Großteils der Ostmark und des ungarischen Raumes. Und auch heute noch hat sich die Dreiflüssestadt mit ihren alljährlichen "Europäischen Wochen", deren musikalische Darbietungen, Theater- und Ballettaufführungen internationalen Rang genießen, ihren Ruf als Kulturstadt gesichert.

In der sakralen Baukunst äußert sich der Charakter Niederbayerns besonders eindrucksvoll in seinen Kirchtürmen, die die Stämmigkeit des Bauernlandes mit der hochstrebenden Eleganz der Gotik in sich vereinen und zugleich auch Zeugnisse bodenständiger Handwerkskunst sind. Einen der schönsten besitzt die Stadtpfarrkirche Sankt Martin in Landshut. Er ist mit seinen 130,60 Metern der höchste Backsteinturm der Welt, das spätgotische Kirchenschiff darunter gilt als die bedeutendste Hallenkirche Süddeutschlands. Die Trausnitz zu Landshut, einst mittelalterliche Burg und erste feste Residenz der Wittelbacher, wandelte sich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einem illustren Renaissancehof, der viele Künstler anzog. Drunten in der Stadt erhebt sich als einziger Renaissance-"Palazzo" nördlich der Alpen die einstige Stadtresidenz der Landshuter Herzöge. Gegenüber fügt sich das Rathaus mit seinem Renaissance-Erker in die vielen Profanbauten, die im 15. Jahrhundert ihr stattliches Aussehen erhielten. Im Plenarsaal des Rathauses hat auch der Bezirkstag von Niederbayern eine Heimstadt gefunden. Eine reiche und wechselvolle Geschichte weist auch das Hauptgebäude der Bezirksregierung auf, das baulich mit der klassizistische Fassade der Dominikanerinnenkirche verbunden ist und nach der Säkularisierung des Klosters vorübergehend Sitz der Bayerischen Landesuniversität war, die König Maximilian I. 1800 von Ingolstadt nach Landshut und König Ludwig I. 1826 von dort nach München verlegte.

Landshut wurde im Jahr 1204 von Herzog Ludwig I., dem "Kehlheimer", gegründet; es folgten seine Gründungen Straubing (1218) und Landau (1224). Im September 1231 wurde Ludwig I. auf der Donaubrücke bei Kelheim von einem Unbekannten erdolcht. Ein Jahr später gründete seine Witwe das Kloster Seligenthal vor den Toren der Stadt Landshut, in der er sich am liebsten aufgehalten hatte. Seligenthal wurde neben Scheyern das wittelsbachische Hauskloster schlechthin; vierzig Angehörige des Fürstenhauses sind dort beigesetzt worden. Ludmilla wurde durch ihren Sohn Otto II., dem "Erlauchten" (1231–1253), die Stammesmutter aller regierenden wittelsbachischen Linien. Otto gilt als der große Städtegründer und als ein Förderer der ritterlichen Dichtung.

Eine weitere niederbayerische Herrschergestalt, die heute noch alle drei Jahre in einem großartigen Historienspiel lebendig wird, war Ludwig IX., der "Reiche", der von 1450 bis 1479 regierte. Heute populär ist er durch das riesige Spektakel, mit dem er seinem Beinamen alle Ehre machte, als er 1475 seinen Sohn Georg mit Jadwiga, der Tochter des Königs Kasimir von Polen, auf der so genannten Landshuter Fürstenhochzeit mit großem Schaugepränge verheiratete. Die Hochzeit ist als eines der größten höfischen Feste des Mittelalters in die Geschichte eingegangen und lebt heute im größten historischen Festspiel Deutschlands wieder auf.

Hoch her geht es alljährlich im August auch beim Gäubodenfest in Straubing, dem Zentrum der fruchtbaren Gäubodenlandschaft. In der ehemaligen Herzogsstadt gibt es das Herzogschloss aus dem 14. Jahrhundert, die Basilika Sankt Jakob, eine der bedeutendsten Hallenkirchen Altbayerns, und den gotischen Stadtturm zu bewundern. Die kleine Ursulinenkirche ist das letzte gemeinsame Werk der Gebrüder Asam. Sie statteten das Innere mit beeindruckenden Gemälden, Stuck und Fresken aus.

In der Kreisstadt Dingolfing, die schon um 773 Herzogshof war, findet sich ein Meisterwerk der niederbayerischen Profanbaukunst, die heute noch erhaltene ehemalige Herzogsburg. Sie ist ein spätgotischer Backsteinbau mit Stufengiebeln, der das Heimatmuseum beherbergt. Niederbayern war ein Land des Adelsbesitzes, kleinräumiger Adelsherrschaften und Hofmarken, die sich bis in unsere Tage herein in einer Vielzahl von Burgen, Schlössern und Schlösschen manifestieren: die Feste Neuburg am Inn und das barocke Schloss Neuhaus am Inn etwa, das umfangreiche Schloss Ortenburg mit einem der schönsten Holzplafonds Deutschlands in seinem Rittersaal, die um 1205 zum Schutz des "Goldenen Steigs", des Salzweges nach Böhmen, erbaute und 1590 im Renaissancestil erneuerte Burg Wolfstein, die Englburg, das Schloss Fürstenstein und die Saldenburg im so genannten "Dreiburgenland" (Landkreis Passau) oder die Perle des Altmühltales, die auf senkrecht aufragendem Fels thronende Burg Prunn, in der eine Handschrift des Nibelungenliedes gefunden wurde. Ganz in der Nähe liegt über Kehlheim die Befreiungshalle, ein einzigartiger, achtzehneckiger Kuppelbau zur Erinnerung an die Befreiungskriege gegen Napoleon. Ihn ließ König Ludwig I. nach Plänen von Friedrich von Gärtner und Leo von Klenze errichten (Bauzeit: 1842–1863).

Es würde diesen Rahmen sprengen, den Reichtum Niederbayerns an alten und gut ausgestatteten Kirchen detailliert anzuführen, nicht unerwähnt bleiben sollen allerdings folgende Gotteshäuser und Klöster: Kloster Weltenburg ist eine der ältesten Kirchengründungen Bayerns. Die Klosterkirche mit ihrem berühmten Hochaltar, an deren Ausgestaltung Egid Quirin Asam entscheidend mitwirkte, zählt zu den Glanzwerken des späten süddeutschen Barock und wurde zum Hauptwerk Cosmas Damian Asams. Die Gebrüder Asam verewigten sich mit weiteren künstlerischen Glanzleistungen in der Kirche des ehemaligen Augustinerchorherrnstifts Rohr, deren Hochaltar als Wunderwerk der deutschen Barockplastik gepriesen wird. Die Handschrift der Gebrüder Asam und von Johann Michael Fischer gemeinsam prägte die Damenstiftskirche des Klosters Osterhofen, deren Hochaltar des Egid Quirin Asam zu den originellsten Altarbauten des bayerischen Barock gehört. Herzog Tassilo III. gründete die Benediktinerabtei Metten und das wenige Jahre früher entstandene, älteste Benediktinerkloster Bayerns, Niederalteich (beide Lkr. Deggendorf), in deren Kirchen ebenfalls J.M. Fischer und C.D. Asam wirkten. Ihre und andere klangvolle Namen der bayerischen Kirchen- und Kunstgeschichte kreuzen auch im Landkreis Passau den Weg des kunsthistorisch interessierten Besuchers. Dort gaben sie vornehmlich den ehemaligen Zisterzienserklöstern Fürstenzell und Aldersbach sowie dem 1803 säkularisierten Benediktinerkloster Vornbach mit ihren reichen Räumen ein barockes Gepräge. In Windberg (Lkr. Straubing-Bogen) siedelten sich im 12. Jahrhundert Prämonstratenser mit einer im Kern auch heute noch romanischen Kirche an, und von den Donauhöhen über Vilshofen grüßt die von der Benediktiner-Kongregation von Sankt Ottilien 1905 gegründete Abtei Schweiklberg herab. Einen Ruf über die niederbayerischen Grenzen hinaus genießen auch die Klosterniederlassungen der "Armen Franziskanerinnen" in Mallersdorf (Lkr. Straubing-Bogen) und der Dominikanerinnen in Niederviehbach (Lkr. Dingolfing-Landau). Westtürme und Portal der Mallersdorfer Klosterkirche sind noch romanischen Ursprungs, der Hochaltar ist ein Frühwerk des Bildhauers Ignaz Günther, während die aus dem frühen 14. Jahrhundert stammende Klosterkirche in Niederviehbach wiederum mit dem Namen J.M. Fischer verbunden ist. Der Barockbaumeister errichtete das Hauptgebäude des Klosters 1731/32.

Zum Schluss noch ein paar weitere niederbayerische Merk-Würdigkeiten: In Straubing gibt es den einzigen Zoo Niederbayerns und der Oberpfalz. Die zweitgrößte Institution zur Förderung der medizinisch-klinischen Forschung in Deutschland mit einem Stiftungsvermögen von rund 375 Millionen DM ist die Wilhelm-Sander-Stiftung in Neustadt a. d. Donau. Das älteste, aus dem Jahr 1670 stammende Volksschulgebäude Deutschlands, das einst in Simbach a.d. Isar stand, findet man heute im Museumsdorf Tittling (Lkr. Passau). Die älteste datierte Glocke Deutschlands aus dem Jahr 1144 hängt auf dem Kirchturm der Gemeinde Iggensbach (Lkr. Deggendorf). Der älteste Marienwallfahrtsort Bayerns (seit 1104) und die bedeutendste Wallfahrtsstätte Niederbayerns ist die Pfarr- und Wallfahrtskirche Hl. Kreuz und Mariä Himmelfahrt auf dem Bogenberg (Stadt Bogen), den jedes Jahr am Pfingstsonntag eine große Prozession mit einer 13 Meter hohen "Pfingstkerze" erklimmt.

Auch der weltbekannte "Pichelsteiner", das schmackhafte Eintopfgericht, hat seinen Ursprung in Niederbayern. Es wurde 1847 erstmals auf dem Büchelstein bei Grattersdorf (Lkr. Deggendorf) zubereitet. Das untere Rottal mit seiner Pferdezucht ist immer noch Anziehungspunkt für die Rossliebhaber, während sich die Fans vierbeiniger Pferdestärken auf Bayerns ältester Trabrennbahn in Pfarrkirchen (Lkr. Rottal-Inn) und die PS-besessenen Zweiradfreunde bei den ruhmreichen Sandbahnrennen in Plattling und Abensberg ein Stelldichein geben.

Zuletzt sollen noch zwei Namen von Rang genannte werden: In Straubing wurde der berühmte Physiker und Astronom Joseph Fraunhofer (1787–1826) geboren und in dem altertümlichen Städtchen Abensberg (Lkr. Kelheim) erinnert ein Standbild an den Vater der bayerischen Geschichtsschreibung, Johannes Thurmaier, genannt Aventinus, der dort 1477 das Licht der Welt erblickte.

Damit Kultur und Wirtschaft in Niederbayern Zukunft haben, sorgen für die Ausbildung des Nachwuchses 346 Volksschulen, 39 Volksschulen für Behinderte, 40 Realschulen und 37 Gymnasien (Stand: Herbst 2000). Folgende Schulen widmen sich der beruflichen Ausbildung in Niederbayern: 18 Berufsschulen, 5 Berufsschulen für Behinderte, 64 Berufsfachschulen, 32 Fachschulen, 7 Fachoberschulen, 5 Berufsoberschulen und 7 Fachakademien. An der Universität Passau studieren zirka 7 000 Studenten (SS 2001). An der Fachhochschule (FH) Landshut waren im Sommersemester 2001 1850 Studenten, an der FH Deggendorf 1350 Studenten immatrikuliert.
 

Der Bezirk und seine Tätigkeiten

Dem Bezirkstag des Bezirks Niederbayern gehören 20 Bezirksräte an. 1998 wurde der Bezirkstag gleichzeitig mit dem Bayerischen Landtag neu gewählt. Bei der Bezirkstagswahl konnten die CSU 12, die SPD 6, die Republikaner einen und die Freien Wähler ebenfalls einen der Sitze im Bezirkstag erringen. Die Bezirksräte versehen ihre Aufgabe ehrenamtlich. Der Bezirkstagspräsident wird für fünf Jahre vom Bezirkstag gewählt. Der Bezirkstagspräsident von Niederbayern ist Manfred Hölzlein (CSU), der 1998 Sebastian Schenk nach 20jähriger Amtszeit ablöste.
Der Bezirk ist Arbeitgeber für rund 2200 Menschen (Krankenpfleger, Handwerker, Ärzte, Lehrer und Verwaltungspersonal).

Das Volumen des Verwaltungs- und Vermögenshaushalts des Bezirks betrug 2000 455,23 Mio. DM. Der größte Teil der Bezirkseinnahmen stammt aus der Bezirksumlage (Hebesatz der Bezirksumlage 2000: 21,5 Prozent), die die Landkreise und kreisfreien Städte entrichten. Weitere Einnahmen ergeben sich in Form von staatlichen Zuwendungen, vor allem als Investitionszuschüsse, im Krankenhausbereich und durch Ausgleichsmittel auf dem Sozialhilfesektor. Ferner nimmt der Bezirk auch Gebühren für die Benutzung seiner Einrichtungen ein.

Der Bezirk Niederbayern wird in folgenden Bereichen tätig:


Soziale Sicherung

Der größte Teil der Bezirksausgaben floss 2000 mit rund 388 Mio. DM in den Bereich soziale Sicherung: Dieses Geld wurde vor allem zur Hilfe für die Pflege von Senioren und Behinderten in Pflegeheimen bereitgestellt. Darüber hinaus ist der Bezirk auch für Jugendhilfe und Kriegsopferfürsorge zuständig und gibt freiwillig Zuschüsse an Verbände der freien Wohlfahrtspflege, die sich im Pflegebereich engagieren.

Gesundheitswesen

Der Bezirk Niederbayern unterhält im Gesundheitssektor drei Einrichtungen zur Behandlung psychisch Kranker:


Im Bezirkskrankenhaus Mainkofen sind die Fachrichtungen Psychiatrie, Psychotherapie, Neurologie, Neuroradiologie und Suchtkrankheiten vertreten. Ferner gibt es ein Rehabilitationszentrum für Schlaganfallpatienten und Schädel-Hirn-Verletzte. Dem Krankenhaus sind Wirtschaftsbetriebe und ein Gutshof sowie das Pflegeheim Mainkofen angegliedert.

Das Bezirkskrankenhaus Landshut ist eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sowie für Kinder- und Jugendpsychiatrie, es besitzt ambulante Einrichtungen.

Das Bezirkskrankenhaus Straubing ist eine forensisch-psychiatrische Klinik.



Kultur- und Heimatpflege

Der Bezirk fördert die Erhaltung von Geschichts- und Kunstdenkmälern in Niederbayern. Des Weiteren setzt er sich für die Erhaltung und Förderung der niederbayerischen Volkskunde, Bräuche, Trachten, Tänze und des Liedgutes ein. Hierzu ist die Stelle eines Heimatpflegers ausgewiesen. Gemeinsam mit den drei kreisfreien Städten Niederbayerns unterhält der Bezirk das Südostbayerische Städtetheater. Ferner ist der Bezirk mehrheitlich an den Zweckverbänden Bauernhofmuseum Massing im Rottal und Freilichtmuseum Finsterau im Bayerischen Wald beteiligt. Der Bezirksjugendring widmet sich der Jugendarbeit.

Kontakt
Bezirk Niederbayern
Hauptverwaltung
Maximilianstraße 15, 84028 Landshut
Tel.: 0871/808-1911
Fax: 0871/808-1906
E-Mail: hauptverwaltung@bezirk-niederbayern.de
Internet: www.bezirk-niederbayern.de
 

Weblinks

 

Quellennachweis
Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Der Fremdenverkehr in Bayern im Dezember und im Jahre 2000. München März 2001.
Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Die Studenten an den Hochschulen in Bayern. Sommersemester 2001. München September 2001.
Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch für Bayern 2000. München 2000.
Bezirk Niederbayern: Broschüre 1999.
Bezirk Niederbayern: Partner Bezirk Niederbayern à la carte. Landshut o.J.
Bezirk Niederbayern: Partner Sozialverwaltung. Aufgaben und Einrichtungen der dritten kommunalen Ebene. 3. Auflage 2000
Werner Dettelbacher: Oberpfalz, Bayerischer Wald, Niederbayern. Köln: DuMont 61988.
Gabriele Greindl/Josef Weiß-Cemus: Niederbayern, Oberpfalz. München: Süddeutscher Verlag 1990.
Regierung von Niederbayern: Informatives, Wissenswertes, Lesenswertes über eine Behörde und ihren Regierungsbezirk. Landshut 1996.
Regierung von Niederbayern: Die Landwirtschaft im Regierungsbezirk Niederbayern. Entwicklungen – Stand –Trends. Landshut 1997.
Regierung von Niederbayern: Wirtschaftliche Entwicklung in Niederbayern 1995/96. Landshut 1997.
Rainer A. Roth: Freistaat Bayern - Politische Landeskunde. München 2000 (Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit).
www.bezirk-niederbayern.de

 

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