Von der Quelle nach Ulm
"Brigach und Breg bringen die Donau zuweg", so lernt man's in der Schule, aber so einfach ist es nicht, den der dritte Quellfluss ist die Donau selbst, die im Schlosspark von Donaueschingen entspringt und dort als kleines Bächlein nach 200 Metern in die Brigach sprudelt. Diese Donauquelle haben die Kelten verehrt, die dem Fluss den Namen ihrer Muttergottheit gaben. Plinius hat sie beschrieben und über Jahrhunderte war sie für das Haus Fürstenberg auch geographische Manifestation der politischen Bindung an Wien und Habsburg als Mitglied der Donaumonarchie, wie uns Erbprinz Heinrich von Fürstenberg erzählt.

Von den vielen Mühlen, die die Donau und ihre Nebenflüsse einmal angetrieben haben, gibt es nur noch eine einzige bei Geisingen. Den Müller befällt beim Betrachten des fließenden Wassers das gleiche Fernweh wie den Bruder Schneider im Kloster Beuron. Die Gegend um Beuron ist der wildromantische Höhepunkt des Donaudurchbruchs, mit dem sich der Fluss auf der Strecke von Geisingen nach Sigmaringen 200 Meter tief in die Hochfläche der schwäbischen Alb eingegraben hat, eingesäumt von Burgen, Schlössern und bizarren Felsen. In weiten Teilen Naturschutzgebiet mit allen Nachteilen für die Bauern, die mit dem Leben am Fluss verwachsen sind und heute noch ihre Kühe über die Donau zur Weide treiben. Fischreich ist das Wasser und trinkbar, auch Gründe für die Mönche von Beuron, sich hier trotz Hochwassergefahr anzusiedeln. Und Grund zur Freude für einen ortsansässigen Fliegenfischer, der vor allem die Äsche schätzt.

Schiffbar ist die Donau ab Ulm, das heißt korrekt erst ab Kelheim. Von Ulm aus ist sie nur mit sehr flachen Schiffen befahrbar, die als Ulmer Schachteln in die Geschichte eingingen. Von den Waren, die Ulmer Schachteln nach Wien und Ungarn gebracht haben, erzählt uns ein Mitglied der Ulmer Schifferzunft. Und von den vielen Auswanderern, die sich vor allem im 18. Jahrhundert in Ungarn und Rumänien angesiedelt haben, berichten zwei Nachfahren der Ungarndeutschen. Sie sind nach 200 Jahren während der kommunistischen Herrschaft nach Ulm zurückgekehrt, wo einst ihre Vorfahren, versorgt mit Ulmer Zuckerbrot, ihre Reise begonnen hatten.

Nachbauten solcher Schiffe fahren jedes Jahr im Sommer beim "Nabada" mit, einem großen Faschingsumzug auf dem Wasser. Bei diesem Spektakel beweisen die Ulmer, dass sie ihrem Wahlspruch "Ulmer Spatze Wasserratze" auch bei zehn Grad Wassertemperatur treu bleiben und sich als Kinder der Donau fühlen, die mit Donauwasser getauft werden.

Vom Donauried nach Passau
Unsere Reise vom Donauried bis nach Passau beginnt in der Luft: mitten in einer Wolke aus Wasserdampf, hoch über dem Kernkraftwerk Gundremmingen. Diese außergewöhnliche Perspektive vermittelt gleich zu Beginn des Films einen Vorgeschmack auf die Luftbilder, mit denen die Zuschauer über die gesamte Länge der oberen Donau verwöhnt werden.

Die extrem unterschiedliche Topographie des Flusses lässt sich vor allem im Abschnitt von Weltenburg stromabwärts und dann zwischen Regensburg und Passau nur aus der Luft überzeugend darstellen - die atemberaubende Schönheit des Isarmündungsgebiets - von Naturschützern auch "Bayerischer Amazonas" genannt - oder die starken Mäander unterhalb des Klosters Niederaltaich dürften selbst guten Kennern der Donau noch nie auf so ungewöhnliche Weise präsentiert worden sein.

Im Verlauf der Reise stromabwärts begegnen wir alten Torfstechern im Donauried, die uns die mühselige Torfgewinnung demonstrieren, wie sie früher üblich war; die Pioniere in Ingolstadt zeigen uns, wie in Minuten eine schwimmende Brücke die Donau überwindet; Archäologen erzählen von der meisterhaften Konstruktion, die ein fast unversehrt gefundenes Boot aus römischer Zeit an der Donau auszeichnet.

Im Regensburger Schifffahrtsmuseum gehen wir an Bord des Schleppdampfers "Ruthoff" mit seiner bewegten Geschichte, um anschließend die Besatzung eines modernen Frachtschiffs auf ihrer nervenaufreibenden Schleichfahrt durch die nächtlichen Untiefen der Donau zwischen Deggendorf und Passau zu begleiten, während jeden Monat am Ufer von Niederaltaich das Donaugebet für die naturnahe Erhaltung des Flusses gesprochen wird. So entsteht allmählich ein Bild davon, wie unterschiedlich, wie intensiv und lebendig die Beziehungen der Menschen zu "ihrer" Donau geblieben sind.

Durch Österreich
Wenn die Donau kurz vor Engelhartszell beidseitig österreichisches Ufer berührt, muss sie bis zur Mündung im Schwarzen Meer noch 2200 Kilometer zurück legen. Auf ihrem Weg dorthin wird sie gut 300 Kilometer durch Österreich fließen.

Oberhalb Engelhartszell, bei St. Aegidi, gründeten die Gebrüder Luger 1955 ihren Forellenzirkus. Heute noch lässt der 83-jährige Karl Luger dressierte Forellen durch Reifen springen und Ball spielen. Sein größter Stolz: eine 14-jährige Bachforelle mit Talent zum Hochsprung. In Obermühl, im Stauraum Aschach, fahren die Berufsfischer August und Erich Aumüller aus zum morgendlichen Fischfang. Bis zu 60 Fischarten gibt es hier in der österreichischen Donau, unter anderem: Nase, Brachse, Hecht, Waller und Zander.

Die Donau ist in Österreich eine vielbefahrene Schifffahrtsstraße. Der Leiter der Schifffahrtspolizei in Linz, dem größten Binnenhafen Österreichs, ist Kapitän Otto Steindl. Über seinen Beruf hinaus beschäftigt er sich als Buchautor mit dem Thema "Donau". Er besitzt mehr als 20000 Bilder von Schiffen, Schiffshavarien, Eisstößen und Hochwasser. Havarierte Schiffe werden in der Linzer Schiffswerft wieder in Fahrt gebracht. Seit 160 Jahren existiert diese Schiffswerft in Linz - mittlerweile die einzige zwischen Erlenbach am Main und Bratislava, und eine der ältesten an der Donau. Am Mostviertel vorbei, geht's durch den Strudengau zum Wallfahrtsort Maria Taferl. Durch die Schatzkammer der Basilika führt uns Rosina Permoser und erzählt die Geschichten der Votivgaben. Vor den nördlichen Ausläufern des Wienerwalds liegt Greifenstein. Dort steuert seit fast 50 Jahren Harry Jarosch seine Fähre über die alte Donau. Wenn Herr Jarosch - ehemaliger österreichischer Wildwassermeister - am Greifensteiner Ufer seine Fahrgäste aussteigen lässt, legt er am Schiff seiner Tochter an, die auf ihrem umgebauten Schlepper ein Lebensmittelgeschäft und ein Café betreibt.

Nach Ungarn und Kroatien
Probleme des Postkommunismus ziehen sich wie ein roter Faden durch unseren Reisebericht. In Pressburg sind es junge Juden, Kinder von Partisanen, die einen Ausweg aus dem immer noch latenten Antisemitismus suchen. Aber auch das umstrittene Gabcikovo - Projekt, jener riesige Stausee gleich neben dem vielarmigen Naturschutzgebiet der Schüttinsel.

Wie wichtig Brücken sind, sieht man in Pressburg, wo eine neuzeitliche Stadtentwicklung erst mit dem Bauen der Eisenbahnbrücke eingesetzt hat. Und besonders in Budapest, das sein Leben mit und an der Donau durch die Vielzahl seiner herrlichen Brücken demonstriert. Ruinen in der ganzen jahrhundertelang umkämpften Donauregion. In Visegrád die Reste des von den Türken zerstörten Renaissancepalastes des großen ungarischen Königs Mathias.

Mit den in der Backa verbliebenen Deutschen, den Donauschwaben, sucht sich die neue Regierung zu arrangieren, indem sie ihnen eine regionale Selbstverwaltung zugesteht und deutsche Schulen. Die Nachfahren der deutschen Auswanderer des 18. Jahrhunderts bauen hier immer noch Wein und Mais an. Und Paprika, das ungarische Gewürz der Seligen. Unverzichtbar in der traditionellen Fischsuppe aus Karpfen, Waller und Hecht, die die Fischer von Baja zum Abschluss ihres reichen Fischfangs zubereiten.

Laut Metternich beginnt der Balkan in Wien an der Landstraße. Für alle anderen an der serbischen Grenze. Sie bezeichnet der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy, mit dem wir uns in Budapest unterhalten haben, als schmerzlichen Riss. Auf der kroatischen Seite, wo unsere Reise endet, besuchen wir die einst blühende Stadt Vukovar, ringsherum zerstörte Dörfer und frische Gräber. Den Gottesdienst feiert man unter freiem Himmel neben den Fragmenten des Kirchturms.

Quelle: BR-Fernsehen, Alexander Samsonow, Rudolf Klaffenböck, Lorenz Knauer,

www.br-online.de/land-und-leute/himmel/aktuell/2003/0628.html

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