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Baar bildet das Eingangstor zur Zentralschweiz von der Nordostschweiz her und liegt im Kanton Zug. Es grüsst seine Besucherinnen und Besucher mit den baulichen Wahrzeichen am Anfang und am Ende der Dorfstrasse, welche zugleich die kirchliche und die weltliche Macht repräsentieren: Pfarrkirche St. Martin und Rathaus.
Geographie Baar liegt nördlich der Stadt Zug im Kanton Zug. Gelegen am Fluss Lorze, der im Ägerisee entspringt und weiter in den Zugersee fliesst. Die Gemeindefläche von Baar beträgt 24.840.151 m2 Der tiefster Punkt ist die Lorzenbrücke in Unterau mit einer Höhe von 423 m ü. M. Der höchster Punk ist Oberstock in Allenwinden mit einer Höhe von 845 m. ü. M. Der Bahnhof Baar von der SBB hat eine Schienenhöhe 443 m. ü. M.
Geschichte Verschiedene bemerkenswerte Funde zeugen davon, dass das Gebiet von Baar lange vor der ersten urkundlichen Erwähnung besiedelt war. Aufgrund von wichtigen Fundstellen, vor allem der frühmittelalterlichen Gräberfelder an der Zugerstrasse und an der Früebergstrasse, weisen die Archäologen für das Zentrum von Baar eine 2000 - jährige Siedlungskontinuität seit der römischen Epoche nach. Die dauernde Anwesenheit von Menschen wird auch in Beziehung zum Baarer Hausberg, der Baarburg, gesehen. Die Hochfläche der Baarburg war in der Zeit zwischen der Mittelbronzezeit (1550 - 1300 vor Christus) und dem Frühmittelalter mindestens sieben Mal besiedelt (mittlere und spätere Bronzezeit, Späthallstattzeit, Früh- und Spätlatènezeit, Römerzeit, Frühmittelalter). Meist handelte es sich wahrscheinlich um grössere Dörfer, die zeitweise die ganze, heute bewaldete Hochfläche eingenommen haben dürften. Um 500 vor Christus sollen die steil abfallenden Plateauränder mit einem Holz - Erde - Wall befestigt gewesen sein. Die neuesten Forschungsresultate stimmen auch mit der siedlungsgeschichtlichen Auswertung der Ortsnamenforschung überein. Der Name Baar mit seinen urkundlichen Formen Barra, Barro u.ä. ist keltischen Ursprungs. Barr- bedeutet in Ortsnamen "auf einer Anhöhe gelegen, hochgelegener Ort". Für die Namensgebung von Baar ist nicht von der heutigen Siedlung (Baar-Dorf), sondern von der Baarburg auszugehen. Von der Baarburg, diesem sicheren, refugiumsähnlichen alten Siedlungsplatz wurde der Name Baar auf die (spätere) Siedlung an ihrem Fusse übertragen: Der Name Baar bedeutet also "Ort bei der (schutzbietenden) Anhöhe". Die vordeutsche Erklärung des Namens wird durch den ebenfalls keltischen Namen der Lorze ("Geröll und Geschiebe führender Fluss") gestützt, die an der Baarburg und an Baar vorbeifliesst. Die Baarburg ist nicht nur historisch gesehen von Bedeutung, sondern auch das landschaftliche Wahrzeichen der Lorzenebene. Mit ihr verbunden sind ferner verschiedene Sagen, so um das Herdmandliloch und die heilbringenden Quellen. Am Fusse der Baarburg, bei der Heiligkreuzkapelle, befand sich in früheren Zeiten die Klause eines Waldbruders.
Baar war in der Vergangenheit wiederholt von kriegerischen Ereignissen betroffen. 1292 lagerte hier Herzog Albrecht von Habsburg, der spätere König, mit einem Heer. Es dürfte eine kriegerische Manifestation gegen den kurz vorher errichteten eidgenössischen Bund gewesen sein. Zu einer Waffentat kam es damals nicht. 1404 sah es in Baar recht kriegerisch aus. Um das Gleichgewicht zwischen Stadt und Amt Zug im sogenannten Panner- und Siegelhandel wiederherzustellen, sammelten sich in Baar die eidgenössischen Truppen zusammen mit 400 Zürcher Schützen. Sie eroberten Baar, verjagten die bäuerliche Besatzung aus dem Kirchturm und Friedhof und hissten das Zürcher Banner auf dem Turm der Martinskirche. Das Aeussere Amt musste sich unterwerfen. 1442 wurde Blickensdorf von den Zürchern in den Streitigkeiten des Alten Zürichkrieges gebrandschatzt. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem Gemeindeteil jenseits der Lorze während des 2. Kappelerkrieges 1531. Baar bekam die Auswirkungen der unheilvollen Religionskriege mehrmals zu spüren. 1531 wurden die reformierten Truppen bei Kappel geschlagen; sie hatten ihr Lager auf der Aberen ob Blickensdorf. Das Heer der katholischen Orte schlug sein Lager in Inwil auf (daran erinnert die 1584 eingeweihte St. Sebastians-Kapelle); ein Vorposten befand sich im Himmelrich. Der "Milchsuppenstein" an der Kantonsgrenze zu Ebertswil am Albis erinnert an die sogenannte "Kappeler Milchsuppe" nach dem ersten, unblutigen Treffen in Kappel 1529, das "Friedenskreuz" in Deinikon an den Friedensschluss auf freiem Feld auf der "Bühne" zu Deinikon nach dem 2. Kappelerkrieg 1531. Der "Baarer Friede" war nicht von Dauer. 1656 und 1712 gingen viele Höfe im Gebiet von Deinikon während den beiden Villmergerkriegen in Flammen auf, und die rohen Ueberfälle forderten auch Menschenleben.
Die französische Invasion bereitete 1798 der alten Eidgenossenschaft ein jähes Ende. Sie bewirkte auch eine grundlegende Aenderung in der Stellung der Gemeinden zu den Bürgern. Baar als Bestandteil des Standes Zug gehörte während der Helvetik vorübergehend zum Kanton Waldstätten. 1803 wurde die erste Zuger Verfassung geschaffen, die bis 1814 standhielt. Die Mediation (1803 - 1815) brachte wiederum eine Zweiteilung des Kantons Zug in ein Inneres und ein Aeusseres Amt. Die Verfassungen von 1814, 1848 und 1873 ebneten der Einwohnergemeinde den Weg. Aufgrund der Bundesverfassung von 1874 wurde die Dreiteilung der bisherigen zugerischen Einheitsgemeinde in eine Einwohnergemeinde, Bürgergemeinde und Kirchgemeinde unumgänglich. In Baar fand die erste Einwohnergemeinde-Versammlung am 31. Mai 1874 statt. Die Gemeinde zählte damals etwa 3800 Einwohner. Die definitive Gemeindegüterausscheidung verzögerte sich in Baar bis 1879, da es Streitigkeiten wegen der Zuteilung einzelner Objekte gab. So beanspruchten unter anderem die Einwohnergemeinde und die Bürgergemeinde die Rathausliegenschaft; die Bürgergemeinde obsiegte schlussendlich. Heute ist die Einwohnergemeinde Mieterin des Rathauses und der Rathus-Schüür, die 1981 in einen kulturellen Treffpunkt umgebaut wurde. Das Verhältnis zwischen den einzelnen Baarer Gemeinden darf als vorbildlich bezeichnet werden.
Die in den Jahren 1862 und 1902 entdeckten Höllgrotten im Grenzgebiet Neuheim-Menzingen-Baar sind ein grossartiges Naturwunder und eine Hauptsehenswürdigkeit des Zugerlandes. Nach neuesten Forschungen dürfte diese unterirdische Zauberwelt vor ungefähr 6000 bis 8000 Jahren entstanden sein. Eigentümer der Grotten samt der Sommerwirtschaft ist die Baarer Familienstiftung Schmid. Aber auch am Tageslicht darf Baar viele natürliche Sehenswürdigkeiten zeigen: den Lorzenlauf, den Schwarzenbach mit seinen Wasserfällen, Naturschutzgebiete, Aussichtspunkte, Wanderwege usw. Unsere Gegend fand schon früher begeisterte Bewunderer, wovon unter anderem die Huldigung des Zuger Arztes und Historikers Dr. Franz Karl Stadlin zeugt: "Wenn der Kanton Zug das Eden der Schweiz ist, so ist Baar sein Eldorado" (1821). Der Schriftsteller Leonhard Meister (1741 - 1811) schrieb in seinem Buch "Kleine Reisen" über Baar: "Wir wurden ganz bezaubert beim Anblick der Baarer Gefilde, hier hat die Natur ihr Füllhorn verschwendet". Auch Johann Wolfgang Goethe, der grosse deutsche Dichter, erwähnte anlässlich seiner dritten Schweizer Reise 1797 den "artig gebauten Ort" Baar. Nicht nur berühmte Bewunderer, nein auch grosse Persönlichkeiten haben den guten Ruf ihres Herkunftsortes Baar über die Gemeinde- und Kantonsgrenze hinaus getragen. Die bodenständigen Baarer Familien haben der Oeffentlichkeit eine Reihe von Kirchen- und Staatsmännern geschenkt. Namen wie Bischof Dr. Jacobus Stammler, Abt Peter Schmid (Wettingen), Abt Heinrich Schmid (Einsiedeln), Indianer-Missionar P. Martin Schmid (Bolivien) , Bürger- und Zunftmeister Hans Waldmann (Zürich), General Josef Leonz Andermatt und neuestens Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz nehmen in der Geschichte von Baar keinen unbedeutenden Platz ein.
Im Jahre 1963 konnte mir der Geburt der 10 000. Einwohnerin die Stadtwerdung (im statistischen Sinne) gefeiert werden, und bald nähert sich die Einwohnerzahl der 20 000er-Grenze. Die Baarerinnen und Baarer fühlen sich jedoch nicht als Städter(innen), und auch die Gemeindebehörden haben nicht die Absicht, Baar zur Stadt erklären zu lassen.
Wirtschaft Industrie- und Dienstleistungsbetriebe haben einen nicht geringen Anteil an der erfreulichen Entwicklung Baars. Sie sind zusammen mit Handwerk, Gewerbe und Landwirtschaft die Träger der Wirtschaft. Mit der Eröffnung der Spinnerei an der Lorze im Jahre 1854 begann die Umformung der Landgemeinde in einen Industrieort. Die Spinnerei war während vielen Jahrzehnten der grösste Arbeitgeber Baars; aufgrund der prekären Situation in der Textilindustrie musste sie 1993/94 ihre Tore schliessen. Heute beschäftigen die Legobetriebe an der Sihlbruggstrasse und im Neuhof am meisten Arbeitnehmer. Weitere bedeutende Unternehmen sind: Rittmeyer AG, Metro-Gruppe, Gebr. Gysi AG, Trichema AG, Glencore Zug und Shell (Switzerland). Die ideale geografische Lage, die guten Verkehrsverbindungen und die erfreuliche Konjunkturlage haben in den letzten Jahrzehnten zu einem erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwung von Baar geführt. Dazu haben sicher auch die aufgeschlossene Bevölkerung , die vorbildlich ausgebauten öffentlichen Dienste und die günstigen Steuerverhältnisse beigetragen.
Die gute Verkehrslage, die vielseitigen Beschäftigungsmöglichkeiten, die landschaftlichen Schönheiten und die hervorragenden Freizeitqualitäten machen Baar zu einer begehrten Wohngemeinde. Dazu tragen auch die guten öffentlichen und privaten Schulen (Sonnenberg, Beratung und Schule für sehgeschädigte Kinder und Jugendliche; Rudolf Steiner-Schule Baar; Interkantonale Schule für praktische Krankenpflege; International School of Zug in Walterswil) bei. Den guten Ruf Baars fördern auch regionale Sozialwerke (Zugerische Werkstätte für Behinderte; Pflegezentrum), moderne Sportanlagen (Hallen- und Freibad Lättich; Waldmannhalle; Fussballstadion; Tennisanlagen) sowie kulturelle Einrichtungen (Gemeindesaal; Rathus-Schüür, Waldmannhalle, Spinni).
Weblinks
Kontakt Einwohnergemeinde Baar Rathausstrasse 6 Postfach 6341 Baar T 041 769 01 11 F 041 769 01 99 einwohnergemeinde@baar.zg.ch
Quelle: Text und Bilder Gemeinde Baar
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